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Der Schatz wurde wohl frühestens im Jahr 261 n. Chr. vergraben und fiel damit in einen Zeitraum, in dem schwerwiegende Ereignisse das römische Reich massiv erschütterten. 259/260 n. Chr. fielen im Westen germanische Stämme über Rhein und Donau plündernd ins römische Reich ein, wobei die Alamannen nach Italien bis vor Rom und die Franken durch Gallien bis Spanien zogen. Die Münzpropaganda dieser Zeit belegt, dass die Hauptkämpfe gegen die Germanen erst 264 n. Chr. abgeklungen waren. 260 n. Chr. geriet im Osten der römische Kaiser Valerianus in die Gefangenschaft der Sassaniden. Sein Sohn und Mitkaiser Gallienus schlug bei Mailand die Alamannen, während er anschließend erfolgreich gegen den aufständischen Statthalter der Provinz Pannonien Ingenuus kämpfte. Postumus, der Statthalter der Provinz Belgica hatte einen eigenen Herrschaftsbereich errichtet, das so genannte Gallische Sonderreich. Die zahlreichen Schatzfunde aus dieser Zeit belegen den Schrecken, den diese Ereignisse auslösten. |
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Der gefundene Schmuck setzte sich aus 6 Goldketten oder Kettenfragmenten mit diversen Steinen (Smaragd, Saphir, Granat, Glas) sowie Perlen, 1 Goldkette mit Münzanhängern, 1 Goldkapselanhänger, 3 Goldarmreifen, 5 Paar Ohrringen, 6 Ringen, teilweise mit Gemmen bzw. Kameen besetzt sowie 7 einzelnen Gemmen und Kameen zusammen. Besonders reizvoll fand ich eine polychrome (vielfarbige), mehrreihige Gliederkette mit 6-eckigem Pyramidenverschluss. Zwischen 4 großen goldenen Zwischengliedern in Form von plastischen Herkulesknoten befinden sich jeweils 5 Gliederkettchen, die abwechselnd mit Perlen oder polyedrisch (vielflächig) geschliffenem Granat besetzt sind. Solche Ketten sind typisch für das 3. Jhd. n. Chr. So gibt es nicht nur 3 Ketten mit ähnlichen Schmuckelementen aus dem Schatz von Eauze, sondern auch weitere Kettenfunde (z.B. Naix, Cracouville, eine Kette unbekannter Herkunft in Berlin) belegen die Beliebtheit solcher Schmuckstücke. Heute befindet sich der Schatz im archäologischen Museum in Eauze. Irmgard Mersch |
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Schatzfund von Eauze: Nachbildung der fünfgliedrigen Kette mit Herkulesknoten. Material: Silber vergoldet, Granat, Perlen. |
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LITERATURHINWEISE A. Böhme-Schönberger , Kleidung und Schmuck in Rom und den Provinzen (=Schriften des Limesmuseum Aalen 50), Stuttgart 1997. D. Schaad (Hrsg.), Le Tresor d’Eauze, Toulouse 1992. K. Sas, H. Thoen, Schoene Schijn. Brilliance et Prestige (Ausstellungskatalog), Leuven 2002. H. Bengtson, Grundriss der römischen Geschichte mit Quellenkunde. Band 1: Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr. (Handbuch der Altertumswissenschaft III.5.1.), München 1967. Historisches Museum der Pfalz Speyer (Hrsg.), Der Barbarenschatz. Geraubt und im Rhein versunken (Ausstellungskatalog), Stuttgart 2006. |
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Die Verschüttung von Herculaneum im Jahr 79 n. Chr. fiel in die Zeit der flavischen Kaiserdynastie. Im so genannten Vierkaiserjahr 69 n. Chr. war der Kaiser Vespasian an die Macht gekommen. Nach den Wirren der Bürgerkriege von 68/69 n. Chr. hatte seine Herrschaft eine Phase der Konsolidierung und des Friedens für das römische Imperium gebracht. Der herausragende Bau seiner Regierungszeit ist das flavische Amphitheater (Colosseum) in Rom. Vespasian starb am 24. Juni 79 n. Chr. Sein ältester Sohn Titus hatte seit 2 Monaten seine Nachfolge angetreten, als der Vesuv am 24. August 79 n. Chr. ausbrach. Kaiser Titus sorgte in den darauf folgenden Monaten dafür, dass der Bevölkerung der betroffenen Gebiete geholfen wurde. Er selbst besuchte zweimal die verwüsteten Gebiete. Titus ist in die Geschichte als guter Kaiser eingegangen, obwohl seine nur zwei Jahre währende Regierungszeit von zwei weiteren Katastrophen gekennzeichnet war: Der Ausbruch einer Seuche in Rom und ein Großbrand in Rom. Titus starb am 13. September 81 n. Chr. im Alter von nur 41 Jahren an einer Fieberkrankheit. |
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Das genaue Datum und die Beschreibung des katastrophalen Ausbruchs des Vesuvs ist uns glücklicherweise durch die Briefe des direkten Augenzeugen Plinius d. Jüngeren an den Geschichtsschreiber Tacitus überliefert. Anhand seines detaillierten Berichtes und der Erforschung der vulkanischen Ablagerungen war es den heutigen Vulkanologen möglich, eine genaue Chronologie der Ereignisse zu erstellen. Die Vulkaneruption begann am 24. August 79 n. Chr. um ca. 13 Uhr. Nach dem Ausbruch des Vesuvs bildete sich in den folgenden Stunden eine bis zu 30 Kilometer hohe Säule aus Gas, Asche, Bimsstein und Steinen. Durch die Windverhältnisse breitete sich die Wolke nach Südosten aus, wo sie zu Boden ging und die Gegend verwüstete. Das im Südwesten des Vesuvs gelegene Herculaneum blieb zunächst fast verschont. Erst als die Eruptionssäule am 25. August gegen 1 Uhr nachts in sich zusammenbrach, bildete sich eine mehrere Meter hohe pyroklastische Lawine aus Asche und Gas, die mit einer Geschwindigkeit von 100 km/Std. und einer Temperatur von ca. 500 Grad Celsius den Südhang des Vesuvs herunterraste und Herculaneum überrollte. Alle in Herculaneum noch verbliebenen Menschen kamen dabei ums Leben. Im Laufe der Nacht und des Morgens des 25. August folgten noch weitere pyroklastische Ströme, die große Mengen Asche und Lapilli mit sich führten und die Stadt unter einer Schicht vulkanischem Schlamms von über 20 Metern Stärke begruben. |
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Unter den zahlreichen in Herculaneum geborgenen Gegenständen befinden sich auch viele Schmuckstücke, von denen mir eine goldene Halskette mit Smaragden, die durch ihre schlichte Eleganz besticht, besonders gut gefällt. Die genauen Fundumstände sind heute leider nicht mehr bekannt. Die Kette besteht aus Kettengliedern, die aus jeweils drei ineinander gehakten aus einem dünnen Goldblech gearbeiteten Doppelschlaufen bestehen. Zwischen den Kettengliedern befinden sich auf Draht aufgezogene Smaragdprismen in ihrer natürlichen sechsseitigen (hexagonalen) Form. Auf einem Draht auf halber Kettenlänge ist anstelle eines Smaragds eine kleine Lunula in der typischen Form des 1. Jhd. n. Chr. aufgefädelt. Die Abschlüsse bilden ein einfacher Verschlusshaken und ein halbkugeliges Verschlusselement aus Gold, auf dem ein kleiner Smaragd befestigt ist. Doppelschlaufenketten in verschiedenen Formen waren im 1. Jhd. n. Chr. sehr beliebt, was auch diverse Funde ähnlicher Ketten im gesamten Vesuvgebiet belegen. Aber auch in späteren Jahrhunderten wurden solche Ketten weiterhin getragen. Die Kette befindet sich heute im Museo Nazionale in Neapel. Irmgard Mersch |
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Herculaneum: Nachbildung der Doppelschlaufenkette. Material: Silber vergoldet, Smaragd. |
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LITERATURHINWEISE L. Breglia, Catalogo delle Oreficerie del Museo Nazionale di Napoli, Rom 1941 R. Siviero, Gli Ori e le Ambre del Museo Nazionale di Napoli, Florenz 1954 L. P. Biroli Stefanelli, L`Oro dei Romani. Gioielli di Eta Imperiale, Rom 1992 J. Mühlenbeck, D. Richter (Hrsg.), Verschüttet vom Vesuv. Die letzten Stunden von Herculaneum (Ausstellungskatalog), Mainz 2005 H. Bengtson, Die Flavier. Vespasian, Titus, Domitian, München 1979 H. U. Schmincke, Vulkanismus, Darmstadt 2000
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