Aspekte römischer Kleidung

Der folgende Text beschränkt sich auf die wichtigsten römischen Kleidungsstücke und auf den Zeitrahmen vom 1. bis zum 2. nachchristlichen Jahrhundert, da sich danach die römische Kleidung grundlegend ändert. Im römischen Reich gab es eine erstaunliche Vielfalt an Bekleidungsgewohnheiten. Aber anders als heute konnte sich nicht jeder so kleiden wie er wollte. Das lag zum einem an ethnischen und sozialen Vorraussetzungen. Zum anderen spielten auch rechtliche Fragen bei der Auswahl der Kleidung eine Rolle. So ließ sich an der Kleidung ablesen, wer römischer Bürger war oder nicht. Und auch die Standesunterschiede sollten an der Kleidung erkennbar sein. Die Kleidung im italisch-römischen Raum bestand seit der republikanischen Zeit aus gewebten und zusammengenähten Stoffstücken. Die häufigsten Materialien zur Herstellung von Kleidung waren Wolle und Leinen, aber auch Seide und Baumwolle wurden benutzt. Durch das Vernähen der Stoffstücke waren Gewandverschlüsse zum Zusammenheften der Kleidung, so genannte Fibeln, wie sie andere antike Völker wie Kelten oder Germanen benutzten, nicht nötig und somit aus der Mode gekommen. Nur vereinzelt wurden Fibeln noch zum Schließen von Mänteln getragen.

Die Tunica

Das Kleidungsstück, das sowohl von Frauen, Kindern und Männern, vom Kaiser bis zum Sklaven getragen wurde, war die Tunica. Diese war entweder aus zwei rechteckigen Stoffbahnen zusammengenäht oder aus einem Stück gewebt. Für Kopf und Arme wurden jeweils Schlupflöcher gelassen. Die Tunica wurde ohne Hosen getragen und in Höhe der Hüfte gegürtet. Bei den Männern reichte die Tunica bis unter die Knie, Soldaten trugen sie dagegen oberhalb der Knie. Ärmel bzw. Scheinärmel ergaben sich im 1. und 2. Jahrhundert nach Christus durch die Stoffmenge und wurden nicht gesondert angesetzt. Die Tunica der Frauen war länger und reichte bis zu den Knöcheln. Die Gürtung erfolgte entweder unterhalb der Brust oder in Höhe der Taille. Ob es bei den Frauentuniken üblich war, Ärmel anzusetzen oder nicht, ist in der Wissenschaft umstritten. Bei einigen Abbildungen könnte es durchaus möglich sein, dass Ärmel angesetzt worden sind. Bei anderen ist eindeutig zu erkennen, dass es sich bei den Ärmeln um Scheinärmel handelt. Die Tunicae der Frauen waren sehr farbenfroh. Der Dichter Ovid beschreibt Farben von Safrangelb bis Himmelblau.

Obergewänder und Mäntel

In der Regel trugen die Römer ein Obergewand über der Tunica. Diese Mäntel wurden von Frauen und Männern getragen und gab es sie in verschiedenen Formen, ponchoartige mit einer Kapuze wie die Paenula, Mäntel, die mit einer Fibel geschlossen wurden wie die Lacerna oder solche, die um den Körper herumdrapiert wurden wie die Toga, die Palla oder das Pallium. Die Toga sollte von der Republik bis zum Ende der römischen Kaiserzeit das charakteristische Kleidungsstück der Römer bleiben. Vermutlich übernahmen die Römer dieses Kleidungsstück von den Etruskern. Konnte die Toga in der Frühzeit auch von Nichtrömern getragen werden, so wurde sie in der Zeit der Republik zu einem Mantel, den nur die römischen Bürger tragen durften, während Fremden, Sklaven und verbannten Römern das Recht verwehrt war, die Toga zu tragen. In der Zeit der Republik war die Toga ein halbkreisförmig geschnittener Mantel, dessen Länge in etwa der dreifachen Länge des Trägers entsprach. Beim Anlegen wurde zunächst ein Teil des Mantels über die linke Schulter gelegt. Dann wurde der an der oberen Kante geraffte Stoff von der linken Schulter über den Rücken nach vorne über die Brust zur linken Schulter geführt. Dadurch war der linke Arm bedeckt, während der rechte Arm frei blieb. Die Toga fiel somit in einer geschwungenen Linie von der linken Schulter bis zum rechten Bein. Dieses Merkmal blieb über die Jahrhunderte erhalten. Allerdings änderte sich die Stoffmenge. In der Zeit des Kaisers Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) wuchs die Stoffmenge der Toga auf fast das Doppelte an, und nun brauchte man Hilfe, um die Toga anzulegen. In dieser Zeit wurde die Toga in der Staatspropaganda und in der Dichtkunst zu dem Erkennungszeichen des Römers stilisiert. So bezeichnet der Dichter Vergil die Römer als Gens togata, das Volk, das die Toga trägt.

Parallel zur Toga erfuhren auch die Obergewänder der römischen verheirateten Frauen, der Matronae eine besondere Aufwertung. Das Recht, die Stola und die Palla zu tragen hatte seit dem 2. vorchristlichen Jahrhundert vor Christus nur den Matronae zugestanden. Jetzt wurde nicht nur die Bedeutung dieser Gewänder stilisiert. Auch die Stoffmenge der Stola wurde vermehrt. Die Stola war ein langes, ärmelloses schlauchförmiges Übergewand mit schmalen Schulterträgern, das bis zum Boden reichte. Das Gewand sollte die Keuschheit der Trägerin symbolisieren und sie so vor Übergriffen schützen. Der Dichter Tibull berichtet, dass die Stola ein unbequemes Gewand geworden war. Ab der Zeit der flavischen Kaiser (69-96 n. Chr.) veränderte sich die Bedeutung der Stola. Nun war das Tragen der Stola ausschließlich  auf die Senatorengattinnen beschränkt. Die Palla, ein großer rechteckiger Frauenmantel wurde über der Tunica und Stola getragen und bedeckte den Körper von der Schulter bis zu den Knien. Ohne sie sollte die ehrbare Matrona das Haus nicht verlassen. Die Palla wurde aufwändig um den Körper drapiert, von der linken Schulter über die rechte Schulter bzw. unter dem rechtem Arm und dann wieder über die linke Schulter bzw. linken Arm, weiterhin sollte sie noch den Kopf der Trägerin bedecken. Deshalb war die Palla kein Mantel, der zur täglichen Arbeit getragen werden konnte. Frauen und Männer, die körperliche Arbeit verrichten mussten, trugen im Alltag kleinere Mäntel wie etwa das rechteckige Pallium, das um den Körper drapiert wurde, oder die Paenula.

Römische Unterwäsche und Strümpfe

Unter der Tunica trugen Frauen und Männer seit der augusteischen Zeit eine weitere Tunica, die Tunica interior oder Subucula. Die Frauen trugen zur Stützung des Busens das Stophium, ein mehrere Meter langes Band, das um die Brust gewickelt wurde und von zahlreichen Abbildungen bekannt ist. Ebenfalls von Abbildungen bekannt und durch archäologische Funde belegt ist eine Art Slip, der an den Seiten mit Bändern verschnürt wurde. Die Männer trugen vermutlich einen dreieckigen Schurz, der in Form einer Windel angelegt wurde. Strümpfe wurden ebenfalls getragen. Diese aus Wolle oder Tierhaaren gefertigten Socken reichten bis über die Knöchel. Auch die Verwendung von Fußlappen wird in der Wissenschaft diskutiert. Als Tibialia werden breite Stoffstücke bezeichnet, die den Unterschenkel vom Knöchel bis zu dem Knie bedeckten und mit Bändern gewickelt wurden. Kaiser Augustus war dafür bekannt, dass er im Winter neben den Tibialia auch die Feminalia trug, eine Hose, die bis zu den Knien reichte, um sich vor der Kälte zu schützen. Allerdings waren Hosen im 1. und 2. Jahrhundert als barbarisch verpönt und wurden in der Regel nicht getragen.

Römische Schuhe

Das römische Schuhwerk, das von zahlreichen Abbildungen, Schriftquellen und archäologischen Funden bekannt ist, weist eine große Variationsbreite an verschiedenen Schuhtypen auf. Die gefundenen Schuhe zeigen, dass im Gegensatz zu anderen Epochen Schuhe von allen, das heißt von Männern, Frauen und Kindern getragen wurden. Die römischen Schuhe bestanden aus verschiedenen Teilen wie Brand- und Außensohle, dem Obermaterial, der verstärkten Ferse, die vernäht waren, sowie aus verschiedenen Lederarten. Typisch für römische Schuhe ist die Verwendung von Eisennägeln, um Obermaterial und Sohle zusammenzuhalten. Neben genagelten und geschlossenen Stiefeln gab es aber auch ungenagelte und damit weichere Schuhe sowie Sandalen. Sandalen wurden allerdings nur im Haus und zu Gastmählern getragen. Außerhalb des Hauses trug man geschlossene Schuhe. An den Schuhen ließen sich anhand ihres Materials, der Farbe und der Fertigungsweise Standesunterschiede erkennen.

Irmgard und Norbert Mersch

Weiterführende Literatur

A. Böhme-Schönberger, Kleidung und Schmuck in Rom und den Provinzen (=Schriften des Limesmuseum Aalen 50), Stuttgart 1997.

Dies., Hautnah. Römische Stoffe aus Mainz, Mainz 2009.

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L. Wamser (Hrsg.), Römer zwischen Alpen und Nordmeer. Zivilisatorisches Erbe einer europäischen Weltmacht (= Schriftenreihe der Archäologischen Staatssammlung 1), Mainz 2000.